Mit-Leiden

Mit seiner besonderen Idee der Verbindung von Spielszenen und stiller Prozession knüpft das im Heiligen Jahr 2000 uraufgeführte Klüsserather Passionsspiel bewusst an Traditionen der Volksfrömmigkeit im späten Mittelalter an. Erst im 13. und 14. Jahrhundert begann die intensive Auseinandersetzung mit dem Leiden und Sterben Jesu. Hatte die Kirche in den Jahrhunderten zuvor mit geistlichen Osterspielen in erster Linie das Fest der Auferstehung gefeiert, rückt nun die Passionsfrömmigkeit in den Mittelpunkt.

„Compassio“ – „Mit-Leiden“ wird einer der zentralen Frömmigkeitsbegriffe der Zeit: Das Ideal, Schmerz und Leid Jesu in Meditation und Gebet genauso unmittelbar nachzuempfinden wie die ohnmächtige Trauer seiner Mutter, Verwandten und Freunde. Die bildliche und szenische Darstellung der einzelnen Momente der Passion in Gemälden, Skulpturen und von Gesang und Gebet begleiteten Passionsspielen mit lebenden Bildern in kastenförmigen Bühnen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie machen die Ereignisse aus den Evangelien gegenwärtig – unmittelbar, sinnlich erfassbar und spirituell berührend.

Mit Leiden